Dauerausstellung

Jahrhundertwende – Geburt der bildenden Kunst der Moderne in der Slowakei

An der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts wirkten zahlreiche ausgezeichnete Künstler, die die Gestalt der bildenden Kunst in der Slowakei mitprägten. Obwohl die Gattungen wie die Porträtgestaltung, die Landschaftsmalerei oder das Stillleben ihre Prioritätsposition erhalten haben, dank einer neuen Weltbetrachtung der Künstler und der neuen Auffassung und Berufung der Kunst machten sie grundsätzliche Veränderungen durch. Die bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit trugen wesentlich zu der Gestaltung der Malerei bei. Ladislav Mednyánszky, einer der anerkanntesten Landschaftsmaler der damaligen Zeit etablierte nicht nur die Auffassung der Landschaft im Sinne der Schule von Barbizon und später auch im Sinne des Impressionismus in unserem Umfeld, sondern brachte auch diese Art der Landschaftsmalerei im Sinne des lyrischen Realismus auf die Meisterebene. Auf einer Seite war er von der Monumentalität und der Kraft der Naturelemente fasziniert, auf der anderen Seite zeigte er ein tiefes Mitgefühl mit den Leidenden, wodurch er sich zu einem besonders ausdrucksvollen, expressiven figurativen Werk erarbeitete, das in unserer Malerei eher vereinzelt war. Dominik Skutezky strebte nach einer naturalistischen Darstellung, für welche er die Motive im alltäglichen Leben der Stadtbürger fand.

1887 entdeckte er im Umgebung von Banská Bystrica sein Lebensthema – die Arbeit in Kupferhammer, die ihn zur Gestaltung von Bildern mit einer bisher ungesehenen Thematik, Epizität und Ausdruckskraft inspirierte, wodurch in unserer weiteren Region ein neues Motiv in der Genremalerei etablierte. Peter Július Kern ist ein herausragender Vertreter der symbolischen Malerei bei uns. Das Vorkriegsschaffen von Anton Jaszusch brachte wiederum Errungenschaften der postmodernistischen Tendenz in der Malerei. Dank ihrer Persönlichkeit und des Werks konnte sich das Phänomen der bildenden Kunst der Moderne in der Slowakei auch in den Folgeperioden entfalten.

 

Bildende Kunst der Moderne in der Slowakei

Die slowakische bildende Kunst in der Zwischenkriegszeit wurde zu den Bedingungen unaufhörlicher Veränderungen geformt, die existenziell das Leben jedes Einzelnen prägten. Die Weltereignisse mit einer bisher unbekannten Intensität, Gesellschaftskatastrophen, Zerfall von Staaten, zwei Weltkriege, Revolutionen, das alles bedeutete einen großen Eingriff in das Leben von Menschen und beeinflusste auch das Schicksal und das Schaffen der Künstler. Die wichtigste Frage in der Kunst war zu dieser Zeit der Widerspruch zwischen der Tradition und Moderne, der nicht immer in der theoretischen Form verfasst wurde, sondern latent oder ausdrücklich im Schaffen der Künstler präsent war. Die Beziehung gestaltete sich auf mehreren Ebenen. Während sie einmal die generelle Einstellung der Revolte oder Ergebenheit umfasste, ein anderes Mal betraf sie nur Fragen der bildenden Kunst bzw. ihrer Einzelkomponenten (z.B. thematische, formale oder expressive Elemente). Die Kunst wurde eigenständig und es entstand eine authentische Welt der Kunst. In einer sehr ausgeprägten Form zeigte es sich im Schaffen von Ľudovít Fulla und Mikuláš Galanda, die nicht nur durch ihr Werk, sondern auch durch ihr künstlerisches Manifest „Privatbriefe Fullas und Galandas“, den entscheidenden Wandel der Auffassung der Kunst und der Mission des Künstlers artikulierten. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Slowakei tritt die Kunst bewusst als ein autonomes Phänomen auf. Dieser Zustand der Unabhängigkeit des Gemüts und der Freiheit des Geistes und des künstlerischen Schaffens blieb jedoch zu unseren Bedingungen nur relativ kurz erhalten. Mit dem Jahr 1948 schloss sich die gesamte Periode der Entwicklung der Kunst in der Slowakei ab, während deren sich die Grundlagen slowakischer Moderne prägten und gleichzeitig bildeten sich Werte, die im künstlerischen Schaffen andauerten und zu welchen sich auch die Künstler des folgenden Halbjahrhunderts meldeten.

 

Die Mikuláš Galanda-Gruppe

Die Wirkung der Mikuláš Galanda-Gruppe von 1957 bis zu dem letzten Gruppenauftritt in Berlin 1969 bedeutet einen wichtigen Prozess in der Formung der slowakischen bildenden Kunst. Diese Spätmoderne, deren Vertreter sich bewusst zu der Tradition der Moderne der Zwischenkriegszeit meldeten, bewahrte alle ihre charakteristischen Merkmale, einschließlich des organisierten Auftritts mit der Programmerklärung auf einer Seite, und des individuellen kreativen Programms auf der anderen Seite. Eine der wichtigsten Charakteristiken der gesamten Wirkung der Gruppe war gerade eine gemeinsame ideologische Grundlage von Prozess, Motiv, Thema und Inhalt des Schaffens, ein gemeinsamer Zugang zum Schaffen und die Einstellung zum politischen Geschehen in der Gesellschaft. Der Charakter des Schaffens einzelner Künstler wurde jedoch durch ihre individuelle Lebenserfahrung, Mentalität, Fähigkeiten und Wesensart determiniert, die auch die Einzigartigkeit des künstlerischen Schaffens und des Urheberkredos garantierten. 1972 wurden die Mitglieder der Mikuláš Galanda-Gruppe einer scharfen Kritik im Sammelband „Für sozialistische Kunst“ unterzogen und aus dem Verband bildender Künstler ausgeschlossen, was damals das Verbot der Ausstellungstätigkeit und weitere Repressalien bedeutete. Ihre Rückkehr in die künstlerische Szene spielte sich individuell ab. Eine gemeinsame und fachliche Anerkennung erlebten die Künstler im vollen Umfang erst nach dem Jahr 1989.

 

Persönlichkeiten und Phänomene

Im Rahmen der Wahrnehmung der zeitgenössischen Kunst innerhalb eines weiteren Kontextes von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute werden auch Werke bedeutender Persönlichkeiten der Kunstszene präsentiert, die den Charakter des künstlerischen Geschehens in der Slowakei maßgebend prägten – entweder trugen sie mit ihrem Schaffen wesentlich zu ihrer Formung bei oder sie prägten bedeutend ihre Gestalt. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte Pluralität der Kunsttendenzen mit sich und der Akzent wurde auf einen individuellen kreativen Akt verlagert. Verschiedene Ansätze der Künstler in der Malerei und Skulptur wurden zu einer begründeten einmaligen Art des Schaffens obwohl die Zeit (sozialistischer Realismus) dies nicht begünstigte. Die präsentierten Künstler hatten dennoch den Mut, den eigenen Weg zu gehen und ihrer Überzeugung treu zu bleiben. Die Dauerausstellung präsentiert die wichtigsten Persönlichkeiten jener Zeit, die in den Kunstsammlungen der Galerie Nadbalka vertreten sind. Einzelne Werke stammen aus den Ateliers der Künstler mehrerer Generationen. Die Künstler unterscheiden sich durch die ideologische Haltung, die Art und den Stil der Malerei, aber sie zeichnen sich durch Kreativität, künstlerische Qualität und Einzigartigkeit aus. Einige klammern an die traditionellen Arten des Schaffens, andere experimentieren und probieren neueste Methoden. Sie sind jedoch durch das eigenartige, originelle Schaffen und die wertvolle Individualität vereinigt.